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WINTERWEIHNACHTSLAND SCHOTTEN – UND DIE KUNST DER PARALLELUNIVERSEN

Aktualisiert: 10. Dez.

Dieses Jahr war ich wieder mit einem eigenen Stand im Rathaus dabei – genau wie im letzten Jahr.

Drinnen zu stehen, hat seinen ganz eigenen Zauber: Es ist warm, es duftet nach allem, was draußen vorbeischwebt, und man bekommt viele Gespräche mit, die sonst im Vorbeilaufen verloren gehen. Wer einmal so einen Stand betreibt, merkt schnell, wie lebendig ein Weihnachtsmarkt von innen wirkt. Da ist nichts mit „still vor sich hin dekorieren“ – da pulsiert es.


Was von außen oft nicht sichtbar ist: Hinter der ganzen vorweihnachtlichen Gemütlichkeit steckt ein Geflecht aus Zeitplänen, Absprachen und dem Versuch, möglichst viele Fäden zusammenzuführen. Und genau dort wird’s im Vogelsberg zeitlich gesehen knifflig.

Denn während Schotten seine Türen öffnet, locken Michelbach und Rainrod zeitgleich mit ihren eigenen, liebevoll organisierten Märkten. Zwei Orte, die ich wirklich gern besucht hätte.

Die Kulturscheune in Michelbach stand fest auf meiner gedanklichen Liste, und die Eindrücke aus Rainrod wirkten so fröhlich, dass ich am liebsten kurz rübergeschaut hätte – nur um zu schnuppern, zu reden, zu staunen.

Aber manchmal verteilt sich Vielfalt eben auf mehrere Bühnen gleichzeitig.


Und genau da fängt die eigentliche Frage an: Wie können wir solche Überschneidungen in Zukunft besser miteinander denken, statt gegeneinander zu werten?

Die Adventsstatistik spricht eine klare Sprache: Vier Wochenenden.

Das erste hat die Nachbargemeinde Nidda eingenommen.

Das letzte ist durch die Bergweihnacht auf dem Hoherodskopf gesetzt.

Bleiben zwei Wochenenden – und damit quasi Naturgesetz, dass Termine kollidieren.

Was mich in diesem Jahr wirklich positiv gestimmt hat: Bereits im Frühjahr 2025 haben wir uns mehrfach mit verschiedenen Ortsbeiräten zusammengesetzt. Keine Alibi-Runden, sondern echte Gespräche. Daraus entstand zum ersten Mal das Gefühl, dass wir nicht jeder für sich planen müssen, sondern gemeinsam Wege finden können. Der Stadtteil-Feierabendmarkt, der 2026 in Rainrod stattfinden wird, ist ein schönes Beispiel dafür.

Und dann ist da noch etwas, das oft unausgesprochen bleibt. Viele erinnern sich an die „großen Zeiten“ des Weihnachtsmarkts: zwei Straßen voll, dicht an dicht, bunt, laut, herrlich. Und ja – es hatte seinen Charme. Aber früher wurde auch weniger online gekauft. Heute überlegt sich ein Aussteller genau, ob er mehrere Tage investiert, wenn der Umsatz kaum reicht, um das Wochenende zu tragen.

Das ist kein Vorwurf, sondern schlicht Realität: Ein Markt lebt davon, dass Menschen kommen – und manchmal eben auch davon, dass sie ein kleines bisschen unterstützen.

Niemand muss kaufen. Niemand muss konsumieren. Aber man kann nicht erwarten, dass Stände wachsen, wenn die Nachfrage schrumpft.


Sehr wichtig finde ich ohnehin einen weiteren Gedanken: Dankbarkeit.

Dankbarkeit dafür, dass es überhaupt Menschen gibt, die Märkte organisieren – oft ehrenamtlich, oft mit viel Herz und wenig Schlaf. Dankbarkeit dafür, dass in unseren Orten noch etwas passiert, das Menschen zusammenbringt.


Und Dankbarkeit dafür, dass wir nicht nur „früher war mehr Lametta“ sagen müssen, sondern auch: Schön, dass wir das hier haben.“

Ich denke, es ist genau dieser Blick, der uns weiterbringt: Nicht das ständige Vergleichen mit der Vergangenheit.

Nicht der Reflex, etwas für „zu klein“ oder „nicht wie früher“ zu erklären.

Sondern die Freude darüber, dass wir zusammenkommen – egal ob in Schotten, Michelbach oder Rainrod.

Denn am Ende wünschen wir uns doch alle dasselbe:

Lebendige Märkte, warme Begegnungen, leuchtende Abende –

und das Gefühl, dass Schotten mit all seinen Ortsteilen im Advent ein gemeinsames Zuhause bleibt.


Lucia Rispoli

 
 
 

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